Inhalt
Sie sei, so sagt die temperamentvolle Julia an einer Stelle, mit einem Motorrad zwischen den Beinen zur Welt gekommen. Glück und Freiheit empfindet sie nur, wenn sie auf einer Maschine sitzt und sich treiben lassen kann. Mit ihrem gestohlenen Bike taucht die aus prekären Vorstadtverhältnissen kommende junge Frau auf sogenannten Rodeos, illegalen Motorradtreffen, auf, bei denen sich alles um irrwitzige Stunts und waghalsige Manöver dreht. Nach einem Todesfall in der Community schließt sich Julia einer verschworenen Clique an, die für ihren im Gefängnis sitzenden Boss kriminelle Aufträge ausführt. Manchen in der Gruppe ist die Neue ein Dorn im Auge, was sie schmerzhaft zu spüren bekommt. Julia lässt sich jedoch nicht einschüchtern und gewinnt irgendwann das Vertrauen von Ophélie, der Partnerin des inhaftierten Anführers, und deren Sohn.
Umsetzung
Lola Quivoron setzt in ihrem Spielfilmdebüt, passend zum Motorradthema, auf eine rauschhafte Atmosphäre. Selten kommt die Kamera zur Ruhe. Schon die ersten Einstellungen erzeugen eine ungeheure Energie, schleudern das Publikum in das Geschehen hinein. Oft sind die Gesichter der Figuren fast bildfüllend zu sehen. Die aus Schweiß, röhrenden Geräuschen und Adrenalin bestehende Welt nimmt Julia offenkundig völlig gefangen. Auch wenn die Handlung nicht sehr komplex ausfällt und gelegentlich Stereotypen bemüht, hebt sich RODEO durch die weibliche Perspektive spürbar von ähnlichen Filmen ab. Eine unerschrockene junge Frau erobert hier eine Männerdomäne. Psychologisch ausgedeutet wird die widerspenstige Protagonistin übrigens nicht. Leerstellen bleiben. Laiendarstellerin Julie Ledru, auch im wahren Leben als Motorcross-Fahrerin aktiv, zeichnet dennoch das kraftvolle Porträt einer Getriebenen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Eingehender beschäftigen sollte man sich im Unterricht mit den filmischen Mitteln, die Lola Quivoron einsetzt, um das Lebensgefühl der Protagonistin und ihrer Clique in den Kinosaal zu transportieren: Was sagt die agile, keine Distanz wahrende Kamera über die Figuren aus? Spannend ist sicher auch der Blick auf die fragmentarische Erzählweise: Inwiefern hebt sich RODEO von klassisch strukturierten Geschichten ab? Warum entsteht trotz Auslassungen ein schillerndes Charakterbild? Genauer unter die Lupe nehmen lässt sich überdies das beschriebene Milieu: Wer fühlt sich von den illegalen Motorradtreffs angezogen? Spielt die soziale Herkunft eine Rolle? Ist das Ganze ein Akt der Rebellion? Sind es vor allem frustrierte junge Menschen aus den berüchtigten Banlieues, die ihrer Perspektivlosigkeit entkommen wollen? Oder ziehen die Rodeos Wagemutige aus allen gesellschaftlichen Schichten an?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
25.07.2023
,
letzte Aktualisierung:
20.07.2023
Regie
Lola Quivoron
Buch
Lola Quivoron, Antonia Buresi
Darsteller*innen
Julie Ledru, Yannis Lafki, Antonia Buresi, Cody Schroeder, Louis Sotton, Junior Correia, Ahmed Hamdi, Dave Nsaman, Mustapha Dianka, Mohamed Bettahar u. a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
Plaion Pictures
Festivals
Cannes 2022: „Coup de Cœur“-Award in der Sektion Un Certain Regard; Melbourne International Film Festival 2022; Helsinki International Film Festival 2022; Film Festival Cologne 2022; Seville European Film Festival 2022: Preis für die beste Darstellerin an Julie Ledru; Torino Film Festival 2022: u. a. Preis für die beste Darstellerin an Julie Ledru sowie Spezialpreis der Jury