Inhalt
Eine Frau namens Rose lebt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Mann. Mit falscher Identität hat Rose im Krieg gedient und kommt nun mit den Papieren eines gefallenen Kameraden in ein Dorf, um dessen Erbe anzutreten. Haus und Grundstück werden ihr übertragen, auch wenn die Dorfgemeinschaft skeptisch scheint. Doch Rose hat den Wunsch, das fruchtbare Land zu bewirtschaften und sesshaft zu werden. Sie hat vom Soldatenlohn genug gespart, um Knechte und Mägde anzustellen, besucht sonntags die Messe und bringt anderen Lesen und Schreiben bei. Als sie eine Bärin tötet, die Mensch und Vieh angegriffen hat, erwirbt sie sich Respekt im Dorf. Ein Großbauer bietet ihr seine Tochter Suzanna zur Heirat. Rose willigt ein. Mit der Hochzeit wächst freilich die Gefahr, als Frau erkannt zu werden. Schon, dass Susanna nicht sofort schwanger wird, weckt den Unmut des Bauern und nährt Gerüchte im Dorf über den „Sonderling“. Als Rose nach einem Zusammenbruch von einer Magd versorgt und entkleidet wird, gerät sie in große Gefahr.
Umsetzung
Der Schwarz-Weiß-Film erzählt im historischen Setting vom überzeitlichen Thema der Diskriminierung von Frauen im Patriarchat. Die Leistung des Films besteht darin, der Erzählung über eine weit zurückliegende Vergangenheit eine zeitgenössische, feministische Stimme zu geben. Im Szenen- und Kostümbild schafft der Film ein historisches „Universum“ (Schleinzer), das auf umfangreichen Recherchen beruht. Mit seiner Hauptfigur, einer allwissenden Off-Erzählerin und der Dialogsprache (mit nur punktuell veralteten Begriffen) schlägt der Film eine Brücke ins Heute. Durch die Figur Rose, die das sexistische Machtgefüge und seine sozialen Codes durchschaut, liegt der Fokus nicht nur auf der Unfreiheit der Frauen, sondern auf dem subversiven Potenzial des Cross-Dressing. Die Durchlässigkeit von Geschlechteridentitäten, die Rose für ihre Freiheit zu nutzen weiß, ist in heutigen Gender-Diskursen in vielen weiteren Schattierungen präsent.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
ROSE ist eine ästhetisch eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Situation von Frauen in der patriarchalen Ordnung, die sich bis heute fortsetzt. Im Mikrokosmos eines protestantischen Dorfs im 17. Jahrhundert wird die Ungleichheit der Geschlechter überdeutlich: Frauen haben rigide soziale Rollen. Neben dieser Unfreiheit erleiden sie Gewalt durch Männer, oft auch sexualisierte Gewalt. Auch von der Allgegenwart der Gewalt erzählt der Film, allerdings ohne sie in expliziten Bildern zu inszenieren. Zu den historischen Verhältnissen können Schüler*innen nach der Sichtung recherchieren. Wie erzählt der Film davon in szenischer Form? Wie inszeniert er Roses subversive Position durch Kleidung, Gesten und Sprache? Über historische Vorbilder dieser Cross-Dresserin hat Markus Schleinzer in mehreren Interviews gesprochen. Einen zentralen Satz dazu sagt Rose gegen Ende des Films: „In der Hose war mehr Freiheit. Und weil sie nur ein Stück Stoff ist, bin ich hineingestiegen.“ Welche Positionen stecken in dieser Aussage über ihre Identität und über die soziale Ordnung ihrer Zeit? Und wie lässt sich die Aussage auf die Geschlechterverhältnisse der Gegenwart übertragen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Jan-Philipp Kohlmann
,
24.03.2026
,
letzte Aktualisierung:
01.04.2026
Regie
Markus Schleinzer
Buch
Markus Schleinzer, Alexander Brom
Darsteller*innen
Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Robert Gwisdek u. a.
Länge
100 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, schwarz-weiß
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Piffl Medien
Festivals
Internationale Filmfestspiele Berlin 2026: Silberner Bär für Sandra Hüller als beste Darstellerin