Inhalt
Man habe ihm die Seele genommen, klagt der Vater des 14-jährigen Abila, der kraftlos in dem dunklen Hinterraum seines kleinen Geschäfts in Kibera, dem größten Slum Nairobis, sitzt. Abila ist schockiert. Er will seinem Vater unbedingt helfen. Sein Weg führt ihn zu einer jener Geisterfrauen, zu einer Nyawawa, die halb Mensch und halb Tier sind und von denen die traditionellen Mythen seines Volks oft erzählen. Nur ein erwachsener Mann könne die Seele des Vaters retten, sagt diese. Eine Chance gibt sie ihm dennoch. Sieben Aufgaben muss Abila bis zum Anbruch des nächsten Tages erfüllt haben. Ein Sonnensymbol wird ihn dabei leiten.
Umsetzung
Soul Boy" entstand im Rahmen eines deutsch-kenianischen Filmprojekts, das 2008 von dem Verein One Fine Day initiiert wurde. Durch Kunstprojekte soll afrikanischen Jugendlichen eine Möglichkeit geboten werden, sich kreativ mit ihren eigenen Lebensverhältnissen auseinander zu setzen. Eine Gruppe junger afrikanischer Filmemacher/innen wurde während dem Workshop unter anderem durch die Produzentin Marie Steinmann und den Produzent und Regie Supervisor Tom Tykwer (Lola rennt", Das Parfüm") betreut. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmproduktionen aus den USA oder Europa dient das Armutsviertel Kibera dabei nicht als bedrückende Kulisse, sondern wird aus dem Blickwinkel seiner Bewohner/innen gezeigt. Zudem entstammt die Geschichte afrikanischen Erzählungen und gibt so einen authentischen Einblick in eine Welt, in der Geistermythen und Alltagshandeln untrennbar miteinander verwoben sind. So findet Abila die Geisterfrau Nyawawa auch in einer unscheinbaren Hütte inmitten des Slums. Obwohl die Begegnung unheimlich inszeniert ist, gleitet der Film nicht in einen Fantasystoff ab. Stattdessen folgt Soul Boy" vielmehr dem Muster eines Coming-of-Age-Films und stellt den Reifungsprozess von Abila in dem Mittelpunkt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Durch die Aufgaben der Nyawawa nimmt Abila allmählich sein Umfeld intensiver wahr, setzt sich beispielsweise mit dem Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück oder aber mit Werten, wie sie etwa durch patriarchale Rollenbilder vermittelt werden, auseinander. Die jeweiligen Prüfungen können im Unterricht hinsichtlich der Veränderung von Abila besprochen werden. Hervorgehoben werden sollte dabei, inwiefern das Lernen, das durch die Begegnung mit der Nyawawa ausgelöst wird, im alltäglichen Leben und Handeln verortet ist. In diesem Zusammenhang kann auch ein Vergleich afrikanischer Erzählungen oder Mythen mit bekannten Märchen aus Deutschland interessant sein, gerade weil letztere viel deutlicher von der Realität getrennt sind. Zum anderen aber bietet Soul Boy" auch einen realistischen, nicht beschönigenden Einblick in das Leben in Kibera, wo Schätzungen zufolge auf einer Fläche von weniger als vier Quadratkilometern mehr als eine Million Menschen leben. Beiläufig werden die alltäglichen Probleme der dort lebenden Menschen wie Armut oder Konflikte zwischen Menschen unterschiedlicher Völker immer wieder deutlich.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Stefan Stiletto
,
15.09.2010
,
letzte Aktualisierung:
04.10.2016
Regie
Hawa Essuman
Buch
Billy Kahora
Darsteller*innen
Samson Odhiambo, Leila Dayan Opollo, Krysteen Savane, Frank Kimani, Joab Ogolla, Lucy Gachanja u.a.
Länge
60 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm
FSK
ab 6 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
X-Verleih
Festivals
Internationale Filmfestspiele Berlin 2010 (Sektion Generation/Kplus); Göteborg International Film Festival 2010; International Film Festival Rotterdam: Dioraphte Audience Award, Gewinner drei Kenianischer Filmpreise (Bestes Drehbuch, Bester Kurzfilm, Bester Darsteller)