Souleymans Geschichte

Frankreich 2024

Auf dem Weg zu einem besseren Leben durchlebt der Asylbewerber Souleyman die Hölle. Ein Gefängnis getauscht für ein anderes – gefangen in einem Räderwerk, wo Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Der Film erzählt humanistisch die Geschichte des hart arbeitenden Fahrradlieferanten mit prophetischem Namen und tragischem Leben in einer automatisierten, kalten Welt, in der Systeme der Ausbeutung sich durch alle Beziehungen ziehen.

Originaltitel

L'Histoire de Souleymane

Genre

(Sozial-)Drama

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Französisch, Deutsch, Politik, Wirtschaft, Ethik, Sozialkunde, Kunst, fächerübergreifend: Berufsorientierung

Themen

Asyl, Migration, Flucht/Geflüchtete, Rassismus, Klassismus, Ausbeutung, psychische Belastung, Gig Economy, Gewalt, soziale Ungerechtigkeit, Menschenwürde

Kinostart

19.02.2026

Der junge Mann Souleyman arbeitet als Fahrradlieferant für Essensservices in Paris. Er ist aus Guinea nach Frankreich gekommen. Trotz seines Fleißes verdient er kaum Geld, arbeitet unter menschenunwürdigen Bedingungen und schläft nachts im Obdachlosenheim. In nur zwei Tagen muss er sich auf ein Asylinterview vorbereiten, dessen Ergebnis bestimmen wird, ob er in Frankreich bleiben kann oder nicht. Die Uhr tickt – und Souleyman fehlt das Geld, um an seine Papiere zu kommen. Willkürlich ist er dem Staat und auch den Menschen innerhalb und außerhalb seiner Community ausgeliefert als Arbeiter und Asylbewerber, der in der Nahrungskette ganz unten steht. Verzweifelt lernt er eine Geschichte der politischen Verfolgung auswendig, um im Interview zu überzeugen. Doch nach und nach enttarnt sich seine wahre tragische Biografie.
SOULEMANS GESCHICHTE ist eine klassische humanistische Milieustudie und ein intensives Sozialdrama. Entsprechend neorealistischer Techniken legt der Film seinen Fokus auf den Protagonisten Souleyman (Nachwuchs-Hauptdarsteller Sangaré) durch ausgedehnte Kamerafahrten, die ihm auf dem Fahrrad durch Paris folgen, sowie lange Nahaufnahmen seines Gesichts. Als Zuschauer*in ist man hautnah an den Figuren. Die ansonsten oft romantisierte Stadt Paris wird in all ihrer Hektik gezeigt, wenn Souleyman mit seinem Fahrrad durch den Verkehrslärm fährt, was fast schon Schwindel auslösen kann. Der Stress und die Gefangenschaft im kapitalistischen System werden deutlich; doch auch in der Ruhe löst der Film eine gnadenlose Spannung aus. Musik ist im Film kaum zu hören – nur in Geschäften oder Restaurants. Nicht nur für Souleyman tickt die Zeit – auch als Zuschauer*in fühlt man sich der Bürokratie, den Arbeitsbedingungen, der Technik und der Gig Economy ausgeliefert.
Anknüpfungspunkte für Schüler*innen lassen sich in der realistischen Filmtechnik und -ästhetik finden, die sich vor allem durch Nahaufnahmen, Kamerafahrten und das Fehlen musikalischer Untermalung zeigt. Schüler*innen können analysieren, wie dokumentarisch und nah am Leben der Film wirkt und welche Merkmale das Sozialdrama als Genre mit sich bringt. Politisch ist das Thema aktueller denn je – gerade hinter medialen Schlagzeilen, wissenschaftlichen Statistiken und zahlreichen Veränderungen der Arbeitsbedingungen lassen sich reale und empathisch hervorgehobene Aspekte von Asyl und Migration anhand der Hauptfigur Souleyman finden. Historisch ist beispielsweise relevant, dass Guinea noch bis 1958 eine französische Kolonie war. Auch lassen sich Parallelen zu Deutschland ziehen – wie ist der Umgang mit sogenannten systemrelevanten Berufen wie migrantisierten Essenslieferant*innen, die unter prekären Bedingungen arbeiten?
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Ílyas Ínevi , 27.01.2026 , letzte Aktualisierung: 03.02.2026

Regie

Boris Lojkine

Buch

Delphine Agut, Boris Lojkine

Darsteller*innen

Abou Sangaré, Nina Meurisse, Ghislain Mahan, Yaya Diallo, Mamadou Barry, Keita Diallo, Younoussa Diallo, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie u. a.

Länge

94 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Film Kino Text

Festivals

Filmfestival de Cannes2024 : Jury- und Darstellerpreis der Sektion Un Certain Regard; Europäischer Filmpreis 2024: Bester Darsteller für Abou Sangaré, Bestes Sounddesign; Französische Filmtage Bonn 2025: Publikumspreis; Prix Lumières 2025: Darstellerpreis für Abou Sangaré u. a.

Impressum
Sitemap
Datenschutz