Inhalt
Dreißig Jahre nach MÄDCHEN AM BALL kehrt Aysun Bademsoy zu den Protagonistinnen ihrer ersten Dokumentation zurück: den Spielerinnen der ersten türkischen Frauenfußballmannschaft Berlins, Agrispor. Aus den Teenagerinnen sind erwachsene Frauen geworden – Busfahrerin, Gastronomin, Veranstalterin –, die mit Familie, Arbeit und gesellschaftlichen Erwartungen jonglieren. SPIELERINNEN begleitet sie in ihrem heutigen Alltag, blickt zurück auf die Zeiten kollektiver Euphorie am Spielfeldrand und fragen nach den Spuren, die Emanzipation, Migration und Zugehörigkeit hinterlassen haben. Mit einer neuen Perspektive richtet sich der Fokus auch auf die nächste Generation: die Töchter, aufgewachsen in Berlin, selbstbewusst, aber konfrontiert mit alten Zuschreibungen und neuen Grenzen. In berührenden Gesprächen und poetischen Momenten entsteht so ein vielschichtiges Bild weiblicher Identität zwischen Tradition, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verortung im heutigen Deutschland.
Umsetzung
SPIELERINNEN setzt Bademsoys Langzeitbeobachtung mit ruhiger, einfühlsamer Bildsprache fort. Die Nähe zu ihren Protagonistinnen – inzwischen vertraute Weggefährtinnen – erlaubt persönliche Einblicke, ohne voyeuristisch zu wirken. Archivaufnahmen aus den 1990er-Jahren verweben sich mit neuen Szenen zu einem dichten, emotionalen Erzählgeflecht. Die Kamera bleibt zurückhaltend, beobachtet in Alltagsmomenten und lässt Raum für Pausen, Lächeln, Nachdenklichkeit. Statt spektakulärer Wendungen entfaltet sich der Film über Nuancen: Blicke, Gesten, Gespräche. Auch die jüngere Generation kommt zu Wort – zwischen Selbstbewusstsein und inneren Spannungen. Dabei gelingt es Bademsoy, komplexe Themen wie Identität, Religion und Geschlechterrollen sichtbar zu machen, ohne sie zu überfrachten. Spielerinnen ist eine stille Reflexion über das Erwachsenwerden – über Generationen hinweg.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Dokumentarfilm eröffnet Zugänge zu Fragen von Zugehörigkeit, Generationserfahrungen und Identitätsverhandlungen in einer postmigrantischen Gesellschaft. Schüler*innen können analysieren, wie das Spannungsverhältnis zwischen Assimilationsdruck und dem Bedürfnis nach Selbstbehauptung und Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln im Alltag von Frauen mit Migrationsgeschichte sichtbar wird – geboren oder aufgewachsen in Deutschland, aber oft nicht als zugehörig behandelt. Themen wie Alltagsrassismus, familiäre Kontrolle, kulturelle Identität, Religion und geschlechtsspezifische Rollenerwartungen lassen sich diskursiv vertiefen. Der Einsatz von Archivmaterial und einer über Jahrzehnte geführten Montage ermöglicht eine Analyse filmischer Zeitstrukturen, von Sichtbarkeit und dokumentarischer Erzählweise. Die Konfrontation früherer Träume mit heutigen Realitäten regt zu biografisch-reflexiver Arbeit im Unterricht an.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cila Yakecã
,
06.05.2025
,
letzte Aktualisierung:
13.05.2025
Regie
Aysun Bademsoy
Buch
Aysun Bademsoy
Darsteller*innen
Mitwirkende: Arzu Çalkılıç, Türkan Çelik, Nalan Keleş, Nazan Yavaş, Selina Çelik, Duygu Yavaş, Defne Yavaş, Senol Yavaş, Eylül Yavaş, Efe Yavaş, Emir Yavaş, Armagan Keleş, Selin Keleş u. a.
Länge
86 Min
Sprachfassung
Originalfassung Deutsch und Türkisch mit englischen, deutschen, türkischen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
Arsenal - Institut für Film und Videokunst
Festivals
DOK Leipzig 2024 – Deutscher Wettbewerb; Boston Turkish Festival 2024 – Best Documentary Audience Award