Inhalt
„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Der junge Rodeo-Reiter Brady Blackburn, der zu den Stars seiner Zunft gehört, würde dieses Sprichwort sofort unterschreiben. Nach einem schweren Unfall in der Arena liegt sein Lebenstraum jedoch plötzlich in Trümmern, da ihm die Ärzte angesichts der schweren Kopfverletzungen dringend davon abraten, wieder in den Wettkampf zu ziehen. Während Brady verzweifelt nach einer neuen Perspektive sucht, kann er – sehr zum Missfallen seines knorrigen Vaters – den Gedanken an ein Comeback nicht vollends beiseiteschieben. Immerhin geht er in der Arbeit mit den Pferden richtig auf. Und noch dazu hat der draufgängerische Cowboy nichts anderes gelernt, als im Sattel zu sitzen und sich in einem vollbesetzten Rodeo-Stadion mit anderen Reitern zu messen.
Umsetzung
Wie schon in ihrem ersten Spielfilm „Songs My Brothers Taught Me“, der das Leben in einem Ureinwohnerreservat skizzierte, arbeitet die in China geborene Regisseurin Chloé Zhao in ihrem Folgeprojekt bevorzugt mit Laiendarstellern, die zum Teil eigene Erfahrungen in abgewandelter Form nachspielen. Das Ergebnis ist ein authentischer Blick hinter die Kulissen der Rodeo-Szene in South Dakota samt atemberaubend-poetischen Landschaftsbildern. Erkennbar wird einerseits, dass raue Männlichkeitsideale im Herzen der USA nach wie vor von Bedeutung sind. Andererseits lässt „The Rider“ am Beispiel seiner leidgeprüften Hauptfigur aber auch eine erstaunliche Einfühlsamkeit zum Vorschein kommen. Die Momente, in denen Brady mit seiner autistischen Schwester Lilly oder seinem Freund, dem einst erfolgreichen, mittlerweile gelähmten Bullenreiter Lane Scott, zu sehen ist, gehen tief unter die Haut.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Da die Hauptfigur von „The Rider“ ein Native American ist und der Film, ebenso wie Zhaos Debütwerk, in der Pine Ridge Reservation spielt, ließe sich im Unterricht die Situation der Ureinwohner in den USA eingehender erörtern. Wie gestaltet sich das Leben in den Reservaten? Welche Vorstelllungen von Männlichkeit herrschen vor? Und wie unterscheidet sich das hier skizzierte Cowboy-Bild von der Darstellung im klassischen Hollywood-Western. Anhand der im Film eindringlich beschriebenen Identitätskrise bietet sich ferner eine Diskussion über die Bewältigung einschneidender, zu einer Neuorientierung zwingender Lebensereignisse an. Interessant wäre außerdem eine Begutachtung der Produktionsumstände. Schließlich erreicht das Drama gerade deshalb eine enorme Ausdruckskraft, weil die meisten Rollen mit Laien besetzt wurden, deren Erfahrungen die Handlung mitprägten.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
29.05.2018
,
letzte Aktualisierung:
13.05.2020
Regie
Chloé Zhao
Buch
Chloé Zhao
Darsteller*innen
Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly Jandreau, Lane Scott, Cat Clifford, Terri Dawn Pourier, Tanner Langdeau, James Calhoon, Derrick Janis u. a.
Länge
104 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Weltkino Filmverleih
Festivals
(Auswahl): Cannes Film Festival 2017: Gewinner Art Cinema Award; Telluride Film Festival 2017; Deauville Film Festival 2017: Gewinner Grand Special Prize); Toronto International Film Festival 2017; Filmfest Hamburg 2017: Gewinner Art Cinema Award); Sundance Film Festival 2018; South by Southwest Festival 2018