Inhalt
Der Name der Hamburger Punkband "1000 Robota" ist ihnen Programm: Der 18-jährige Anton Spielmann und seine kurz vor dem Abitur stehenden und etwas jüngeren Freunde Basti Muxfeldt und Jonas Hinnerkort wollen nicht wie so viele andere ein relativ unreflektiertes und fremdbestimmtes Leben führen, sondern mit ihrer eigenen Musik etwas verursachen und so etwas wie Wertigkeit herstellen. Und das ausgerechnet in dem rundum kommerzialisierten Musikgeschäft, in dem es um Verkaufszahlen und nicht um persönliche Vorlieben geht, der Erwartungsdruck enorm hoch ist. Zwei Jahre lang hat Sandra Trostel in ihrer ersten Regiearbeit die drei Jugendlichen mit der Kamera begleitet, die mit einem Plattenvertrag in der Tasche zwischen Schule und Konzerten pendelten und sich auf ihrer ersten größeren Tour gerade mal eine Jugendherberge leisten konnten. Mit den Erfahrungen in der Musikbranche wächst die Kluft zwischen ihren Idealen und der medialen Selbstinszenierung, der sie sich stellen müssen, aber nicht anpassen wollen.
Umsetzung
Sandra Trostel hat zuvor als Cutterin gearbeitet. Das merkt man dem Film deutlich an, der wie ein überlanger Videoclip geschnitten ist, im Tonschnitt nahezu perfekt, im Bildschnitt mitunter etwas zu schnell, dennoch immer konzentriert auf das Wesentliche, seien es Impressionen und Stimmungsbilder, Arbeitssitzungen oder Statements. Die Handkamera, mit dem Zoomobjektiv noch dichter an den Personen dran, verstärkt den Eindruck des Authentischen. Sie wird zum unauffälligen und doch sehr genauen Beobachter der Ereignisse hinter den Kulissen, zeigt die drei jungen Musiker sowohl in ihrer anfänglichen Naivität als auch in ihrem Ringen um den eigenen Weg und um künstlerische Unabhängigkeit.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Es ist der Traum vieler Jugendlicher, einmal auf der Bühne zu stehen und mit der eigenen Band Erfolg zu haben. Nur wenige schaffen es und nur ganz wenigen gelingt es, dabei von der Musikindustrie nicht vereinnahmt zu werden. Die sehr jugendaffine Frage auf dem Weg ins Erwachsenenleben, wie weit man sich für eine berufliche Karriere "verkaufen" muss, beziehungsweise ob sich die eigenen Werte und Ideale im Berufsalltag bewahren lassen, bietet einen guten Diskussionseinstieg, der fast zwangsläufig zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der heutigen Medien- und Kulturindustrie führt. Ein anderer Anknüpfungspunkt liegt in der Bedeutung der Musik und insbesondere des Punk für die Herausbildung und den Wandel von Jugendkulturen. Darüber hinaus lassen sich filmpädagogisch an diesem gelungenen Beispiel die Bedeutung des Dokumentarfilms für eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und Fragestellungen und wesentliche Unterschiede zum Spielfilm aufzeigen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Holger Twele
,
13.04.2011
,
letzte Aktualisierung:
04.10.2016
Regie
Sandra Trostel
Buch
Sandra Trostel
Darsteller*innen
Anton Spielmann, Jonas Hinnerkort, Sebastian Muxfeldt ("1000 Robota")
Länge
90 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
FBW
Prädikat „wertvoll“
Verleih
Rapid Eyes Movies
Festivals
Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino, Berlinale 2011