Inhalt
Der idealistische Nachwuchsdichter Lucien Chardon schreibt in der französischen Provinzstadt Angoulême romantische Gedichte und träumt vom ersten großen Roman. Als sich wegen der Affäre mit der Adeligen Louise de Bargeton ein Skandal anbahnt, zieht er 1821 mit ihr, der verheirateten Kunstmäzenin, nach Paris. Dort stellt sie den attraktiven Lucien der einflussreichen Marquise d'Éspard und potenziellen Gönnern vor, lässt ihn aber fallen, um ihre soziale Stellung nicht zu verlieren. Beim Kellnern lernt Lucien den skrupellosen Redakteur Etienne Lousteau kennen, der ihn in den Boulevardjournalismus einführt. Mit boshaften Glossen macht er sich in den Klatschgazetten rasch einen Namen und gibt sich dem Rausch der Vergnügungen hin. In der Schauspielerin Coralie findet er eine treue Geliebte, die für seinen extravaganten Lebensstil hohe Schulden aufnimmt. Luciens Schriftstellertraum bleibt auf der Strecke. Auch ein Versuch, per königlichem Dekret den Adelsnamen seiner Mutter zu erhalten, scheitert. Als er sich mit verleumderischen Artikeln bei den Royalisten zu viele Feinde macht, stellen sie ihm eine Falle.
Umsetzung
Im Gewand eines Historienfilms kombiniert die dialoglastige Literaturadaption Elemente von Salondrama, Romanze, Mediensatire, Außenseitertragödie und Sittenbild. Neben der schwelgerischen Ausstattung und opulenten Kostümen belegen geschliffene Dialoge, gediegene Darstellerleistungen und eine agile Kamera die hohen künstlerischen Ambitionen der ersten Kinoadaption dieses Schlüsselromans von Honoré de Balzac, der zu den Großmeistern der französischen Literatur zählt. Das versierte Drehbuch exzerpiert aus dem ersten Teil des dreibändigen Romans (1837-1843) nur wenige Schlüsselszenen für einen kurzen Prolog, lässt den dritten Teil weg und konzentriert sich auf den zweiten Teil, der Luciens schnellen Auf- und Niedergang in Paris schildert. Aus dem Off führt ein Erzähler durch den Film, erläutert Hintergründe, stellt Figuren vor und ordnet Ereignisse ein. Die Off-Kommentare werden oft durch streicherbetonte musikalische Einschübe akzentuiert und wirken so als Bindeglieder zwischen den Sequenzen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die im Film dargestellte Epoche der Restauration in Frankreich (1815-1830) ist geprägt durch Machtkämpfe zwischen royalistischen und liberalen Strömungen, aufstrebender Bourgeoisie und konservativem Adel. Gibt es ähnliche politische Konflikte und Entwicklungen in den damaligen deutschen Königreichen und Fürstentümern? Im Zuge von Luciens Eintauchen in den Pariser Klatsch-Journalismus werden mediengeschichtliche Umbrüche wie Werbeplakate, Brieftauben als schnelle Nachrichtenüberbringer und Rotationsdruckmaschinen, die eine Vervielfachung der Zeitungsauflagen ermöglichen, wirkmächtig. Dies bietet reichlich Ansatzpunkte, um im Unterricht die politischen und sozialen Folgen medialer Innovationen zu erforschen. Im Film bestimmt Signali mit seinen Claqueuren im Auftrag des Meistbietenden, ob ein Theaterstück zum Hit oder Flop wird. Hier liegt es nahe, Bezüge zur Gegenwart mit Medienkampagnen, YouTube-Influencer*innen und Trollfabriken aufzudecken. Inwieweit sind käufliche Rezensionen und Skandalberichte in den 1820er Jahren Vorläufer von Fake News und Hate Speech? Off-Erzähler dienen in Literaturadaptionen oft dazu, einen breiten Erzählstoff zu raffen. Welche Funktionen erfüllen die häufig eingesetzten musikalisch akzentuierten Off-Kommentare hier noch?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
29.12.2022
,
letzte Aktualisierung:
03.01.2023
Regie
Xavier Giannoli
Buch
Xavier Giannoli nach der Romanreihe von Honoré de Balzac
Darsteller*innen
Benjamin Voisin, Cécile de France, Vincent Lacoste, Gérard Depardieu, Xavier Dolan, Salomé Dewaels, Jeanne Balibar u. a.
Länge
149 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Cinemien
Festivals
47. César-Verleihung 2022: sieben Césars bei einer Rekordzahl von 15 Nominierungen, darunter der César für den besten Film