Inhalt
Stefan Zweig ist ein Weltenbürger, viele Länder hat er bereist. Doch als der berühmte Schriftsteller 1934 aus Österreich flüchten muss, weil er dort als Jude angesichts der sich ausweitenden NS-Herrschaft nicht mehr sicher ist, verändert sich für ihn die Erfahrung der Fremde. Der Verlust seiner Heimat lastet schwer auf ihm. Er schlägt keine Wurzeln, weder in England, noch in den USA oder in Brasilien, das er als „Land der Zukunft“ wahrnimmt. Zudem plagt ihn, dass Europa im Krieg zugrunde gerichtet wird und Freunde bedroht sind, während er überlebt. Er hadert mit seiner Beobachterrolle, zugleich wehrt er Aufforderungen zur politischen Stellungnahme ab und fühlt sich überfordert von Hilferufen, die ihn, den einflussreichen Autoren, erreichen. Sein Exil erlebt Zweig zunehmend als ermüdendes und „heimatloses Wandern“. 1942 nehmen er und seine zweite Frau Lotte sich im brasilianischen Petrópolis ihr Leben.
Umsetzung
In sechs Momentaufnahmen porträtiert der Film Stefan Zweig und erzählt von dessen letzten Lebensjahren in der Migration. Dabei bricht „Vor der Morgenröte“ mit seiner elliptischen Erzählweise die gängige Strategie des Biopics auf, ein Leben in Kausalzusammenhängen zu erklären und zu dramatisieren. Regisseurin Maria Schrader überlässt es vielmehr dem Zuschauer, eigene Schlüsse zu ziehen und nähert sich so respektvoll einer historischen Figur an. Im Zentrum stehen dabei die Erfahrungen des Exils, was durch Ortswechsel und Sprachenvielfalt verdeutlicht wird, aber auch durch pointierte Dialoge und durchdachte Bildkompositionen, in denen Zweigs Fremdsein spürbar wird. Getragen wird der Film von Hauptdarsteller Josef Hader. Sein nuanciertes Spiel vermittelt die Psychologie eines Davongekommenen, der voller Schuldgefühle sicher lebt, gleichwohl dem Krieg nicht entkommen kann und zur Heimatlosigkeit verdammt ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Vor der Morgenröte“ kann nicht nur als Biografie gelesen werden, sondern auch als ein Film über Krieg und Exil. Damit geht die Geschichte über das Individuelle hinaus, erlangt Allgemeingültigkeit und verweist ins Heute. So kann im Unterricht diskutiert werden, warum Zweig und andere Zeitgenossen/-innen geflüchtet sind und wie sie das Exil erleben. Dabei sollte vor allem das in New York stattfindende Gespräch mit seiner ersten Ehefrau analysiert werden, und zwar auch in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Im Fach Deutsch regt der Film dazu an, sich eingehend mit dem Werk Stefan Zweigs und dem Thema Exilliteratur zu beschäftigen. Dabei kann hinterfragt werden, welche gesellschaftliche und politische Rolle Zweig dem Intellektuellen zugesteht, weigert er sich selbst doch beständig, das deutschen NS-Regime zu verurteilen. Mit welchen Argumenten untermauert er seine Position und wie stehen die Schüler/-innen zu dieser Haltung?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
24.05.2016
,
letzte Aktualisierung:
24.04.2020
Regie
Maria Schrader
Buch
Maria Schrader, Jan Schomburg
Darsteller*innen
Josef Hader, Aenne Schwarz, Barbara Sukowa, Charly Hübner, Matthias Brandt, André Szymanski u.a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
(deutsche) Originalfassung, teils untertitelt
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
X-Verleih
Festivals
Nominierung Deutscher Filmpreis 2016: Beste Regie (Maria Schrader), Beste weibliche Nebenrolle (Barbara Sukowa)