Inhalt
14 Jahre nach einem an ihr versuchten Femizid kehrt die Filmemacherin Daniela Magnani Hüller in ihrem Debütfilm zu den Ereignissen ihrer Jugend zurück. Als 16-jährige wurde sie von einem Mitschüler schwer verletzt und überlebte die Tat. In ihrem essayistischen Dokumentarfilm sucht sie erneut Kontakt zu Personen aus ihrem damaligen Umfeld: ihrer Lehrerin, einer ehemaligen Mitschülerin, ihrem familiären Umfeld sowie Personen aus Polizei, Justiz und medizinischer Versorgung, die in das damalige Geschehen involviert waren. In Gesprächen und Begegnungen versucht sie, Erinnerungen zu rekonstruieren und Leerstellen im damaligen Geschehen zu verstehen. Der Film folgt keiner linearen Chronologie, sondern entwickelt sich als fragmentarische Annäherung an ein traumatisches Ereignis. Die Reise führt von München, dem Ort ihres Aufwachsens und der Tat, bis nach Rio de Janeiro, wo sie zwei Jahre nach der Tat eine Form körperlicher und emotionaler Neuorientierung erlebte, die für ihren weiteren Umgang mit dem Erlebten zentral wurde.
Umsetzung
Der Film verbindet Gespräche, Voice-Over und assoziative Bildfragmente zu einer nicht-linearen Erzählung. Statt der klassischen Rekonstruktion eines „Falls“ entsteht ein vielschichtiger Erinnerungsraum. Der selbstreflexiven Innenperspektive der Regisseurin wird in Interviews mit Beteiligten eine Außenperspektive gegenübergestellt, die den strukturellen und institutionellen Nährboden sichtbar macht, auf dem Femizide in Deutschland stattfinden und Betroffene unzureichend geschützt werden. Die Kamera bleibt oft distanziert und beobachtend. Neben intensiven Gesprächen öffnet der Film Raum für Brüche, Unsicherheiten und widersprüchliche Momente. Unterschiedliche audiovisuelle Formate verknüpfen Zeitebenen und subjektive Wahrnehmung fern eindimensionaler Opfer-Narrative. Die Regisseurin bleibt zunächst außerhalb des Bildes und wird im Verlauf sichtbar, wodurch Fragen von Kontrolle, Sichtbarkeit und Selbstermächtigung verhandelt werden. Der Film gibt keine eindeutigen Antworten, sondern entfaltet eine bedachte Form der Erinnerung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film eignet sich zur Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verantwortung und der Frage, wie persönliche Erfahrungen in gesellschaftliche und institutionelle Zusammenhänge eingebettet sind. Im Unterricht kann untersucht werden, wie Dokumentarfilme Realität durch die Auswahl von Material und Perspektive sowie durch Montage aktiv gestalten. Ein Analysefokus können Gesprächsstruktur und Bildgestaltung sein: Welche Wirkung entsteht durch distanzierte Kamera, lange Einstellungen, das Fehlen kommentierender Einordnung sowie durch unterschiedliche audiovisuelle Materialien? Es kann diskutiert werden, wie sich subjektive Erinnerung filmisch darstellen lässt und welche Rolle Lücken, Brüche und Unausgesprochenes spielen. Schüler*innen können reflektieren, wie filmische Mittel Emotionen steuern oder bewusst zurücknehmen. Der Film bietet einen Zugang zur Analyse dokumentarischer Formen sowie zur kritischen Betrachtung von Darstellbarkeit (struktureller) Gewalt, Trauma und Verantwortung im Kontext von Femiziden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Golschan Ahmad Haschemi
,
04.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
18.05.2026
Regie
Daniela Magnani Hüller
Buch
Daniela Magnani Hüller
Darsteller*innen
Mitwirkende Daniela Magnani Hüller, Marion Inhuber, Andreas Bayer, Dr. Mark Malota, Gabriela Magnani Peixoto, Letícia Karen Brandão da Silva u. a.
Länge
91 Min
Sprachfassung
Originalfassung in Deutsch und Portugiesisch, mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
Real Fiction Filme
Festivals
Berlinale Forum 2026: nominiert für den Berlinale Dokumentarfilmpreis „Special Mention“