© Real Fiction 2026

Was an Empfindsamkeit bleibt

Deutschland 2026

14 Jahre nachdem sie einen versuchten Femizid überlebt hat, kehrt die Filmemacherin Daniela Magnani Hüller zu den Menschen und Orten ihrer Vergangenheit zurück. In ihrem Debütfilm rekonstruiert sie in Gesprächen mit Beteiligten Erinnerungen und fragt nach Verantwortung, Schweigen und Versäumnissen. Der Film verbindet persönliche Erfahrung mit gesellschaftlicher Analyse und wird zu einer Suche nach einer eigenen, selbstbestimmten Perspektive auf das Erlebte.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Ethik, Politik, Psychologie, Sozialkunde

Themen

Femizid, Erinnerung, Traumata, Gewalt, Patriachat, Verantwortung, strukturelle Gewalt, Schweigen, Selbstermächtigung, Polizei, Justiz, Körperinnerung

Kinostart

14.05.2026

14 Jahre nach einem an ihr versuchten Femizid kehrt die Filmemacherin Daniela Magnani Hüller in ihrem Debütfilm zu den Ereignissen ihrer Jugend zurück. Als 16-jährige wurde sie von einem Mitschüler schwer verletzt und überlebte die Tat. In ihrem essayistischen Dokumentarfilm sucht sie erneut Kontakt zu Personen aus ihrem damaligen Umfeld: ihrer Lehrerin, einer ehemaligen Mitschülerin, ihrem familiären Umfeld sowie Personen aus Polizei, Justiz und medizinischer Versorgung, die in das damalige Geschehen involviert waren. In Gesprächen und Begegnungen versucht sie, Erinnerungen zu rekonstruieren und Leerstellen im damaligen Geschehen zu verstehen. Der Film folgt keiner linearen Chronologie, sondern entwickelt sich als fragmentarische Annäherung an ein traumatisches Ereignis. Die Reise führt von München, dem Ort ihres Aufwachsens und der Tat, bis nach Rio de Janeiro, wo sie zwei Jahre nach der Tat eine Form körperlicher und emotionaler Neuorientierung erlebte, die für ihren weiteren Umgang mit dem Erlebten zentral wurde.
Der Film verbindet Gespräche, Voice-Over und assoziative Bildfragmente zu einer nicht-linearen Erzählung. Statt der klassischen Rekonstruktion eines „Falls“ entsteht ein vielschichtiger Erinnerungsraum. Der selbstreflexiven Innenperspektive der Regisseurin wird in Interviews mit Beteiligten eine Außenperspektive gegenübergestellt, die den strukturellen und institutionellen Nährboden sichtbar macht, auf dem Femizide in Deutschland stattfinden und Betroffene unzureichend geschützt werden. Die Kamera bleibt oft distanziert und beobachtend. Neben intensiven Gesprächen öffnet der Film Raum für Brüche, Unsicherheiten und widersprüchliche Momente. Unterschiedliche audiovisuelle Formate verknüpfen Zeitebenen und subjektive Wahrnehmung fern eindimensionaler Opfer-Narrative. Die Regisseurin bleibt zunächst außerhalb des Bildes und wird im Verlauf sichtbar, wodurch Fragen von Kontrolle, Sichtbarkeit und Selbstermächtigung verhandelt werden. Der Film gibt keine eindeutigen Antworten, sondern entfaltet eine bedachte Form der Erinnerung.
Der Film eignet sich zur Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verantwortung und der Frage, wie persönliche Erfahrungen in gesellschaftliche und institutionelle Zusammenhänge eingebettet sind. Im Unterricht kann untersucht werden, wie Dokumentarfilme Realität durch die Auswahl von Material und Perspektive sowie durch Montage aktiv gestalten. Ein Analysefokus können Gesprächsstruktur und Bildgestaltung sein: Welche Wirkung entsteht durch distanzierte Kamera, lange Einstellungen, das Fehlen kommentierender Einordnung sowie durch unterschiedliche audiovisuelle Materialien? Es kann diskutiert werden, wie sich subjektive Erinnerung filmisch darstellen lässt und welche Rolle Lücken, Brüche und Unausgesprochenes spielen. Schüler*innen können reflektieren, wie filmische Mittel Emotionen steuern oder bewusst zurücknehmen. Der Film bietet einen Zugang zur Analyse dokumentarischer Formen sowie zur kritischen Betrachtung von Darstellbarkeit (struktureller) Gewalt, Trauma und Verantwortung im Kontext von Femiziden.
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Golschan Ahmad Haschemi , 04.05.2026 , letzte Aktualisierung: 18.05.2026

Regie

Daniela Magnani Hüller

Buch

Daniela Magnani Hüller

Darsteller*innen

Mitwirkende Daniela Magnani Hüller, Marion Inhuber, Andreas Bayer, Dr. Mark Malota, Gabriela Magnani Peixoto, Letícia Karen Brandão da Silva u. a.

Länge

91 Min

Sprachfassung

Originalfassung in Deutsch und Portugiesisch, mit Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 16 Jahre

Verleih

Real Fiction Filme

Festivals

Berlinale Forum 2026: nominiert für den Berlinale Dokumentarfilmpreis „Special Mention“

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