Inhalt
Camille lebt und brennt für den Boxsport und gilt in seinem Sportinternat als vielversprechendes Nachwuchstalent. Zwischen tagtäglichen harten Trainingseinheiten und ruhigen Momenten in der Natur gerät sein Leben aus dem Gleichgewicht, als ein Sturz im Wald ihn beinahe das Leben kostet. Gerettet von seinem Freund und Trainingspartner Matteo, kehrt er überraschend schnell in den Internatsalltag zurück. Doch die scheinbare Normalität trügt: rätselhafte Schmerzen durchziehen seinen Körper und stellen seine Leistungsfähigkeit infrage. Camille versucht, die Kontrolle zu behalten und seine zunehmenden psychischen Probleme zu verbergen. Im Team der ehrgeizigen Boxer nehmen Distanz und Misstrauen ihm gegenüber spürbar zu. Schließlich will und kann Camille die von Dominanz und Härte geprägten Männlichkeitsbilder seiner Trainingsgruppe nicht mehr erfüllen und er trifft Entscheidungen, die sowohl seine Karriere als auch seine Freundschaft zu Matteo gefährden.
Umsetzung
Das Spielfilmdebüt von Valéry Carnoy überzeugt durch eine dichte, oft düstere Bildsprache. Die Kamera bleibt nah an den Figuren und rückt deren Körperlichkeit, aber auch ihre inneren Konflikte in den Fokus. Dabei durchbricht Carnoy bewusst die gängige Sportfilm-Dramaturgie und verzichtet auf den triumphalen Sieger/Helden am Ende eines typischen Boxerfilms. Weibliche Figuren bleiben randständig, doch mit der Kickboxerin Yasmin erhält Camille im Internat ein solidarisches Gegenüber. Gerade im Kontrast zu den intensiven Kampfszenen gewinnen ihre Auftritte besondere Bedeutung. Die Szenen, in denen sie nach dem Training unbeirrt – notfalls auch mit aufgeplatzter Lippe – auf ihrer Trompete ruhige, klassische Musik spielt, lassen erahnen, dass es auch für Camille eine Perspektive jenseits des brutalen Leistungsdrucks geben kann. Und dann sind da noch die wild und freilebenden Füchse im Wald rund um das Internat, die von Camille für ihr Einzelgängertum und ihre Eleganz verehrt werden.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film eignet sich hervorragend um über Gesundheitsbewusstsein, Selbstwahrnehmung sowie über Identitätssuche und Männlichkeitsbilder zu sprechen. In den exzessiven Siegesfeier-Szenen der Teamkollegen in der Umkleide, geprägt von Rudeltänzen und Macho-Ritualen, wird deutlich, wie sehr Camille zusehend zum Außenseiter wird. Spannend ist dabei die filmische Umsetzung: Wie wird hier mit Blicken gearbeitet? Wie werden zudem in den Kampfszenen Camilles körperliche und seelische Schmerzen filmisch dargestellt? Auch die Gestaltung von Camilles steigender Angst – etwa durch Soundeffekte und spezifische Bildeinstellungen – bietet Gesprächsanlässe. Zum Thema Rollenbilder könnte zudem das zum Teil konträre Verhalten des Trainers und des Hausmeisters der Schule unter die Lupe genommen werden. Nicht zuletzt kann diskutiert werden, welche Unterstützung sich Jugendliche in Camilles Situation wünschen würden und welche Rolle Freundschaften für sie dabei spielen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Tom Weller
,
10.04.2026
,
letzte Aktualisierung:
21.04.2026
Regie
Valéry Carnoy
Buch
Valéry Carnoy, Jacques Akchoti
Darsteller*innen
Samuel Kircher, Fayçal Anaflous, Jef Jacobs, Anna Heckel, Jean-Baptiste Durand, Hassane Alili, Salahdine El Garchi u. a.
Länge
94 Min
Sprachfassung
französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Grandfilm
Festivals
(Auswahl 2025) Cannes Film Festival, Quinzaine des cinéastes: Europe Cinemas Label; Valladoid International Film Festival: Preis der Jugendjury; Lucas Filmfestival, Wettbewerb Teens: bester Spielfilm