Inhalt
Die 17jährige Ree Dolly lebt mit ihren jüngeren Geschwistern und ihrer kranken Mutter in einer einsam gelegenen Blockhütte im tiefsten Hinterland der Ozark Mountains in Missouri. Der Vater hat die Familie verlassen, er ist irgendwo in der Gegend, manchmal im Gefängnis. Wie viele hier produziert er die Droge Crystal Meth. Ree kümmert sich um Haushalt und Kinder, pflegt die Mutter. Eines Tages steht der Sheriff vor der Tür: Der Vater müsse zu einem Gerichtstermin erscheinen. Für eine Kaution hat er das Haus der Familie verpfändet; schon in den nächsten Tagen droht ihnen die Obdachlosigkeit. So macht sich Ree auf die Suche nach ihm. Während sie dem Rätsel seines Verschwindens auf die Spur zu kommen versucht, gerät sie immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Verbrechen.
Umsetzung
Die Rohheit und Feindlichkeit der Menschen, der einsame Kampf des jungen Mädchens und die Traurigkeit über den Verlust des Familienlebens finden einen unmittelbaren Ausdruck in der Bildsprache: Die karge Landschaft, Häuserruinen, Müll und die allgegenwärtige Zerstörung erscheinen als Seelenlandschaft; über allem liegt eine Atmosphäre der Bedrohung. Während der Film in der Art des Dokumentarischen eine zurückhaltende Beobachtungsposition einnimmt, wenig gesprochen, aber viel gezeigt wird, offenbart er schonungslos allen Schrecken dieses Milieus, findet aber auch immer wieder einen Blick für anrührende, fast idyllische Details, die daran erinnern, wofür Ree so verzweifelt kämpft: Momente der tiefen Verbundenheit der Geschwister, sorglose Kinderspiele, das Zusammenleben mit den Tieren oder der selbstvergessene Gesang einer Countrysängerin.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Winter's Bone zeigt eine Welt, in der die Zivilisation zu ihrem Ende gekommen scheint, in der eigene Gesetze herrschen und es im Grunde ums pure Überleben geht. Dabei zeichnet der Film ein Bild von Amerika und einer Gesellschaftsschicht, die gemeinhin abwertend als White Trash" bezeichnet wird. Parallel zu Rees Spurensuche verfolgt der Zuschauer die Spuren eines vergangenen Lebens, das ein anderes, leichteres gewesen sein muss: Ein vereistes Schaukelpferd, die ausgetretenen, aber schmucken Cowboystiefel des Vaters, sein Banjo, das Spielzeug, das er einst für die Kinder schnitzte. So geht es vor allem auch um die Bedeutung der Familie, die hier einziger Schutzraum und größte Gefahr zugleich ist. Blutsverwandtschaft", ein mehrfach genannter Begriff, erscheint doppeldeutig. In der pädagogischen Arbeit kann es zum einen um diesen Zwiespalt der Bedeutung der Familie gehen. Zum anderen können die Hintergründe der Geschichte beleuchtet werden, z.B. die zerstörerische Kraft der Droge Crystal Meth, die eine ganze Gesellschaft zersetzt sowie die soziale Dynamik, die aus der Armut und Isolation resultiert. Im Kunstunterricht kann primär die Bildsprache entschlüsselt werden und untersucht werden, durch welche filmischen Mittel diese besondere Atmosphäre geschaffen wird. Im Deutschunterricht kann der Vergleich zur Romanvorlage und ihrer Erzählstrukturen im Zentrum stehen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Gadatsch
,
27.02.2011
,
letzte Aktualisierung:
05.10.2016
Regie
Debra Granik
Buch
Debra Granik, Anne Rosellini, nach der Romanvorlage von Daniel Woodrell
Darsteller*innen
Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Garret Dillahunt
Länge
100 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
Ascot Elite Entertainment
Festivals
Sundance Grand Jury Prize 2010, Oscar-Nominierungen 2011: Beste Hauptdarstellerin, Bester Film, Beste Nebendarsteller, Bestes Originaldrehbuch