Inhalt
Die 19-jährige Alyssa lebt in Tunis und trägt schon früh Verantwortung: Neben der Schule kümmert sie sich um ihre kleine Schwester und ihre kranke Mutter. Sie ist impulsiv, widersprüchlich und entschlossen, der Enge ihres Alltags zu entkommen. Ihr bester Freund Mehdi ist deutlich zurückhaltender, hangelt sich von erfolglosen Bewerbungen für IT-Jobs zu Gelegenheitsarbeiten und hofft insgeheim, als Zeichner anerkannt zu werden. Als die beiden von einem Kunstwettbewerb auf Djerba erfahren, bei dem ein Atelieraufenthalt in Deutschland als Hauptpreis winkt, beschließen sie spontan, gemeinsam aufzubrechen. Ihre Reise führt sie durch ein ihnen fremdes Tunesien und konfrontiert sie mit gesellschaftlichen Grenzen, eigenen Zweifeln und der Frage, wie greifbar ihre Träume wirklich sind.
Umsetzung
Formal bewegt sich der Film zunächst in vertrauten Bahnen eines Roadmovies, entfaltet jedoch über seine Figuren und deren Perspektiven eine eigene Kraft. Amel Guellaty verbindet realistische Beobachtungen mit subjektiven, teils surrealen Momenten: Mehdis Zeichnungen werden lebendig, während Alyssas Vorstellungskraft die Realität immer wieder verschiebt und neu zusammensetzt. Diese Einschübe wirken wie kleine Brüche im Alltäglichen und öffnen Räume, in denen gesellschaftliche Normen – etwa Geschlechterrollen oder Heteronormativität – spielerisch unterlaufen werden. Gleichzeitig bleibt die Inszenierung bewusst zurückhaltend und vermeidet Pathos. Die emotionale Wirkung entsteht vor allem durch die beiden Hauptfiguren, die mit großer Natürlichkeit und Charisma gespielt sind. Sie wirken widersprüchlich, nahbar und lebendig – als Menschen im Werden, zwischen Sehnsucht, Stillstand und Aufbruch.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film thematisiert die enttäuschten Hoffnungen einer jungen Generation nach dem Arabischen Frühling und eignet sich, um politische und gesellschaftliche Entwicklungen dieser Zeit zu besprechen. Schüler*innen können untersuchen, welche Erwartungen mit Revolutionen verbunden sind und warum diese oft unerfüllt bleiben. Dabei lassen sich Parallelen zu anderen Ländern und aktuellen (Jugend-) Bewegungen herstellen. Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Migration und fehlende Perspektiven können vertieft werden: Warum möchten viele junge Menschen ihr Land verlassen, und welche strukturellen Ursachen liegen dem zugrunde? Zudem regt der Film zur Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Sexualität an, insbesondere im Spannungsfeld zwischen familiären Verpflichtungen und individuellem Freiheitsdrang in einer patriarchalen Gesellschaft. Auf filmästhetischer Ebene bietet sich eine Analyse der Verbindung von Realität und Fantasie an: Welche Funktion haben die surrealen Elemente und wie verändern sie die Wahrnehmung der erzählten Welt? Inwiefern kann Fantasie als Mittel verstanden werden, gesellschaftliche Strukturen sichtbar zu machen oder zu hinterfragen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Seggen Mikael
,
25.03.2026
,
letzte Aktualisierung:
31.03.2026
Regie
Amel Guellaty
Buch
Amel Guellaty
Darsteller*innen
Eya Bellagha, Slim Baccar, Maya Blouza, Firas Khoury u. a.
Länge
99 Min
Sprachfassung
arabische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Kairos Filmverleih
Festivals
(2025) El Gouna Arab Festival: Bester Film; Filmfestival Göttingen 2025: Publikumspreis; Sundance Film Festival; International Film Festival Rotterdam; San Francisco International Film Festival