Inhalt
Gabriel, ein kultivierter Pariser, der sich des Nachts in eine spanische Cabaret-Tänzerin verwandelt, soll übers Wochenende seine etwa zehnjährige Nichte Zazie aus der Provinz hüten, damit ihre Mutter Zeit für ihren Liebhaber hat. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach, denn das vorlaute und frühreife Mädchen hat ihren eigenen Kopf. Vor allem will sie unbedingt mit der Metro fahren, nur wird die leider gerade bestreikt. Also büxt die Kleine aus und trifft auf ihren Erkundungen durch die Stadt der Liebe allerlei seltsame Gestalten, die sich beständig verwandeln und in neuer Erscheinungsform wieder auftreten. Diese anarchische Stadtralley erweist sich als wildes Potpourri aus Orten, Begegnungen, Verfolgungsjagden und Kloppereien. Immer im Fokus steht dabei Paris; im Grunde ist der Film eine einzige große Liebeserklärung an diese Stadt.
Umsetzung
Eine Handlung im klassischen Sinne gerät in "Zazie in der Metro" zur Nebensache. Vielmehr treffen verschiedene Personen und Situationen auf- und durcheinander. Die ausgefeilten Sprachspiele der Romanvorlage adaptiert Louis Malle auf der filmischen Ebene, indem er in überbordendem Maße Stilmittel wie Zeitlupe, Zeitraffer, Montage und verschiedene Kameraeinstellungen einsetzt. Dabei wahrt er das Gleichgewicht zwischen Komik und eingestreuten sprach-philosophischen Sentenzen, zwischen Vulgärsprache und Hochkultur. Sein Film funktioniert auf verschiedenen Ebenen und damit auch für verschiedene Zuschauergruppen. Jüngere Zuschauer haben vor allem am überdrehten Slapstick-Humor ihren Spaß, während Ältere Vergnügen daran finden, die zahlreichen (oft sexuellen) Anspielungen und Subtexte zu entschlüsseln. Nicht zu vergessen, die mit ausgelassener Spielfreude agierenden Darsteller*innen des Ensembles, von denen Catherine Demongeot als Zazie und der junge Philippe Noiret als Onkel Gabriel besonders hervorstechen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Selten vermittelt ein Werk so viel Lust am Film und seinen Ausdrucksformen wie "Zazie". Er ist ein exzellentes Beispiel für die große Bandbreite an filmischen Erzählmöglichkeiten jenseits der eingeschliffenen Handlungs-Bild-Schemata vieler Produktionen. Er unterhält er sein Publikum – seien es nun Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – glänzend und sprengt quasi nebenbei die Kategorien "Kinderfilm", "Erwachsenenfilm", "ernste Themen", "leichte Unterhaltung". Zeitlich fällt er in die einflussreiche Epoche der Nouvelle Vague, welche eine Erneuerung des französischen Kinos anstrebte und für formale und inhaltliche Experimente öffnete. In Frankreich gehören Queneaus Roman und seine Verfilmung zum nationalen Kulturerbe. Gerade der spielerische Umgang mit der Sprache macht Film und Buch für den fortgeschrittenen Französischunterricht interessant. Auch die Herausforderung einer adäquaten Übersetzung kann mit Schüler*innen höherer Klassenstufen thematisiert werden. Beiläufig und ganz selbstverständlich behandelt der Film fluide Genderrollen und -identitäten. Aus Männern werden mal Frauen und umgekehrt, die Identitäten sind beständig im Fluss statt festgeschrieben. Überhaupt bilden Liebe und Begehren den Motor, der das Geschehen im Inneren antreibt.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dörthe Gromes
,
20.11.2020
,
letzte Aktualisierung:
01.12.2020
Regie
Louis Malle
Buch
Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau
Darsteller*innen
Catherine Demongeot, Philippe Noiret, Vittorio Caprioli, Annie Fratellini
Länge
89 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digitalisiert, Farbe
FSK
ab 6 Jahre