Inhalt
Die Fotografin Nan Goldin zählt zu den einflussreichsten Künstler*innen der Gegenwart. Ihre Werke sind in den großen Museen zu sehen, weltweit erhält sie Einzelausstellungen und bedeutende Preise (2022 etwa den Käthe-Kollwitz-Preis). Doch die Kunsthäuser sind für Goldin auch Protestorte: Nach der Überwindung einer Opioid-Abhängigkeit gründete sie die Organisation P.A.I.N., um gegen den Einfluss der Familie Sackler in der Kunstwelt und deren Pharma-Unternehmen Purdue zu demonstrieren. Durch die Verbreitung des stark abhängig machenden Schmerzmittels Oxycontin tragen die Sacklers großen Anteil an der weiterhin grassierenden Opioid-Krise in den USA. Der Dokumentarfilm von Laura Poitras stellt Goldins Aktivismus in den Kontext einer künstlerischen Biografie, in der Privates und Politisches untrennbar sind: von ihrer Kindheit in einer repressiven Vorstadt-Familie, den Anfängen als Fotografin, Erfahrungen in der New Yorker LGBTQI+-Szene bis hin zu Goldins aktivistischer Kunst im Rahmen der Aids-Epidemie.
Umsetzung
Der Film von Laura Poitras vereint mehrere Formen des dokumentarischen Erzählens: ALL THE BEAUTY AND THE BLOODSHED ist zugleich Filmporträt, Protestreportage und Archivkompilation aus der New Yorker Kulturgeschichte. Zwei Zeitebenen werden in der Montage miteinander verwoben: In der Gegenwart begleitet Poitras die Gruppe P.A.I.N. zu Demonstrationen vor dem Louvre oder im Metropolitan Museum of Art, während parallel dazu im Gespräch mit der Künstlerin und unter Rückgriff auf Archivbilder Goldins Lebensgeschichte erzählt wird. Der Film, koproduziert von Goldin, zeigt zahlreiche ihrer Werke – etwa aus dem Zyklus „The Ballad of Sexual Dependency“ (ab 1985) –, Familienbilder, Filmausschnitte und andere Archivmaterialien. So entsteht ein intimes Bild der Künstlerin, deren Arbeiten in ihrem unmittelbaren Umfeld entstanden, und eine Auseinandersetzung mit ihren Lebensthemen. Dazu zählen Geschlechterfragen, die Rechte von Minderheiten sowie der Kampf gegen Sucht und Krankheit.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet etliche thematische Anknüpfungspunkte für den Unterricht, doch am Anfang sollte eine Annäherung an die dokumentarische Form stehen. Der von Poitras’ Montage gestaltete Blick auf Goldin lässt sich an einer Szene analysieren, in der auf der Tonspur ein Gespräch zwischen Regisseurin und Protagonistin zu hören ist – während die im Bild zu sehende Poitras gerade nicht spricht, sondern eine Kamera führt. Welche unterschiedlichen Bilddokumente sind im Film zu sehen und wie sind sie erzählerisch arrangiert? Welchen Bezug stellt der Film zwischen Goldins Vergangenheit und Gegenwart her? In Englisch und Sozialkunde kann der Bezug auf die Opioid-Krise betrachtet werden. Zum Kontext sollten die Schüler*innen recherchieren, warum Oxycontin in den USA so stark in Umlauf geraten konnte (und in Deutschland zum Beispiel nicht). Was zeigt der Film von den betroffenen Menschen – was nicht? Für das Fach Kunst wirft das Porträt von Goldin wesentliche Fragen auf zu den Spannungsfeldern zwischen Künstlerin und Werk, Fotografie und Politik sowie zwischen Gegenkultur und Kunstmarkt.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Jan-Philipp Kohlmann
,
24.04.2023
,
letzte Aktualisierung:
02.06.2023
Regie
Laura Poitras
Buch
Laura Poitras
Darsteller*innen
Mitwirkende: Nan Goldin, David Velasco, Harry Cullen, Patrick Radden Keefe, Megan Kapler, Richard Sackler, Marina Berio u. a.
Länge
122 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung (Voice Over), englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Plaion Pictures
Festivals
Internationale Filmfestspiele Venedig 2022: Goldener Löwe für den Besten Film, Smithers Foundation Award; Academy Awards 2023: Nominierung in der Kategorie Bester Dokumentarfilm u.a.