Inhalt
Ende des 19. Jahrhunderts: Louise Violet, Lehrerin aus Paris, wird in ein abgelegenes Bergbauerndorf geschickt, um die neue Schulpflicht durchzusetzen. Bürgermeister Joseph stellt seinen Stall samt Kuh als Unterkunft und Schulzimmer zur Verfügung, die Dorfgemeinschaft jedoch lehnt die fremde Städterin ab: Republikanische Fortschrittsideen und selbst kostenlose Schulbildung passen nicht in die bäuerliche Lebensrealität, in der die Kinder überlebenswichtige Arbeitskräfte auf dem Feld, in Haus und Hof sind. Allen Widerständen und Anfeindungen zum Trotz gibt die resiliente Frau nicht auf. Mit der nicht ganz uneigennützigen Unterstützung des Bürgermeisters und ihrer eigenen Tat- und Überzeugungskraft gewinnt Louise allmählich das Vertrauen der Menschen, während sie umgekehrt den harten Alltag, die Nöte und den Zusammenhalt im Dorf kennenlernt. Davon und von den ersten Erfolgen ihrer Schule schreibt sie in vielen Briefen – wem, weiß Postbote Thermidor, der ungeniert ihre Post liest und damit Louises persönliche Tragödie enthüllt, mit schwerwiegenden Folgen.
Umsetzung
Die fiktive Titelfigur steht für jene Lehrer*innen, die in Frankreich die 1882 eingeführte Schulpflicht bei der Landbevölkerung umsetzen sollten und auf vielfältige Widerstände und Hürden stießen. Im Film prallt die gebildete Frau aus der Stadt auf traditionelle Geschlechterrollen im Dorf, Laizismus und Zukunftsglaube auf bäuerlichen Konservativismus. Der Film zeichnet den mühsamen Kampf um den Wert der Bildung nach und gibt Einblicke ins Dorfleben, zu dem Armut und Kinderarbeit ebenso zählten wie solidarische Gemeinschaft. Imposante Landschaftsbilder vermitteln die Relevanz von Natur, Witterung und Jahreszeiten für das Leben auf dem Land, dem auch der entschleunigte Rhythmus des Films entspricht. Louises Off-Stimme erzählt sukzessive den Inhalt ihrer Briefe, die eine Brücke zur „Pariser Kommune“ und „Dritten Republik“ in ihrer Vergangenheit schlagen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film eignet sich für einen Vergleich der Gegebenheiten im ausgehenden 19. Jahrhundert mit unserer Gegenwart, in Frankreich und in Deutschland: Was bedeutete es, damals Bauer*Bäuerin, Lehrer*in, Frau, Kind, Mann zu sein, auf dem Land zu leben? Wie ist es heute um Kinderarbeit in der Landwirtschaft bestellt? Louises Leitsatz von der Bildung als „Freiheit der Wahl“ kann mit den Motiven für die Ablehnung der Dorfbevölkerung kontextualisiert werden. Welchen Einfluss hat Bildung auf das Leben der Menschen? Vertiefend lohnt ein Blick auf die Geschichte des Bildungswesens und -begriffs seit Beginn der Moderne. Eine Figurenanalyse ergründet die Charakterisierung Louises als moderne, emanzipierte Frau ihrer Zeit. Über den historischen Hintergrund der Figur geben „Pariser Kommune“ und „III. Republik“ Aufschluss. Bildkomposition, Licht- und Farbgestaltung sowie Ausstattung können als Mittel zur Inszenierung der 1890er Jahre untersucht werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ulrike Seyffarth
,
28.03.2025
,
letzte Aktualisierung:
31.03.2025
Regie
Éric Besnard
Buch
Éric Besnard
Darsteller*innen
Alexandra Lamy, Grégory Gadebois, Jérôme Kircher, Jérémy Lopez, Annie Mercier, Patrick Pineau u. a.
Länge
109 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Neue Visionen Filmverleih