Inhalt
"'Wir (beide w.30) haben es schon so oft versucht und werden doch nicht schwanger. Eine von uns ist wohl extrem zeugungsunfähig. Wer hilft uns? Keine Rechte + keine Pflichten.“ So lautet die Anzeige, die Anny und Pedi schalteten, um einen biologischen Vater für ihre Kinder zu finden. Es meldet sich Eike, der der Vater ihrer drei Söhne wird. Die Regisseurin Annette Ernst darf mit der Kamera die Geburt des dritten Sohnes, Pino begleiten. Daran schließen sich 12 Jahre intensive Filmarbeit an, in der nicht nur Pedi, Anny und Eike zu Wort kommen, sondern auch die drei Söhne Linus, Lou und Pino, deren Großeltern, Onkel und Klassenkamerad:innen. Sie fragen nach und geben Antwort dazu, was es heißt, eine Familie mit zwei lesbischen Müttern durch die Wogen der Gesellschaft zu schiffen. Und außerdem passieren in diesen Jahren ganz unverhoffte Ereignisse: Ein junges Mädchen namens Linn meldet sich zu Wort, und möchte ihre Brüder kennen lernen. Sie findet heraus, dass Eike insgesamt fünf Frauenpaaren zu acht Kindern verholfen hat! Als Eike dies in einer Art „Coming-out“ seiner Mutter Elke gesteht, lädt diese direkt alle Enkel:innen und ihre Mütter zu ihrem 80sten Geburtstag ein!
Umsetzung
Bei aller Fokussierung auf das dargestellte Mutter-Mutter-Kind-Lebensmodell gibt der mit viel Einfühlungsvermögen gemachte, warmherzige Film anderen, herkömmlichen Vorstellungen von Familie, Zusammenleben, Kindererziehung etc. hinreichend Raum: Etwa indem er Annys in einer heterosexuellen Partnerschaft lebenden, traditionelle Männlichkeit und Vorstellungen repräsentierenden Bruder ausführlich zu Wort kommen lässt. Oder aber indem die Regie mittels wiederholt zwischengeschnittener Schwarzweiß-Sequenzen zwei Schauspieler*innen in einem studioartigen Setting in den Rollen eines Psychologen und einer Mutter unterschiedliche Aspekte, Unverständnis und Besorgnisse zum Themenkomplex ventilieren lässt. Schließlich sind es vor allem im zweiten Teil des Films die auf Augenhöhe in den Film sehr intensiv einbezogenen Regenbogenfamilien-Kinder und -Jugendlichen, die in Gesprächen untereinander und auf Nachfragen von Mitschüler*innen immer wieder auf unterschiedliche bis skeptisch-kritische Sichtweisen eingehen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet für schulbezogenen Einsatz zahlreiche pädagogische Anknüpfungspunkte mit entsprechenden Lehrplanbezügen zu den Themen Liebe, Sexualität, Homosexualität, Diversität, Familie, Erziehung und Erwachsenwerden. Es kann im Unterricht die Bedeutung der Familie sowie alternative Familienformen und Erziehungs- und Sozialisationsformen diskutiert werden. Auch die politische Dimension kann hierbei thematisiert werden. Außerdem kann das Genre Dokumentarfilm besprochen werden. Der Film hat eine interessante Struktur der Erzählung, da er chronologisch Jahr für Jahr über insgesamt 12 Jahre die Familie begleitet. Kritische Gedanken von Menschen, die sich nicht vor der Kamera äußern wollten, werden in einem gespielten Gespräch zwischen einer besorgten Mutter und einem Psychologen inszeniert. In schwarz-weiß Bildern ist hier gut das Schauspiel von den restlichen dokumentarischen Szenen abgrenzbar.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Vision Kino
,
15.12.2022
,
letzte Aktualisierung:
12.01.2024
Regie
Annette Ernst
Buch
Annette Ernst
Darsteller*innen
Pedi, Anny, Eike, Linus, Lou, Pino, Linn, Elke, u.a.
Länge
97 Min.
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
jip film & verleih
Festivals
Independent Festival Vancouver: Best LGBT’s 2022, Queerstreifen Filmfestival Regensburg 2022, Filmtage Oberschwaben 2022, QueerFilmFestival Esslingen 2022 u.a.