Inhalt
Der deutsche Radiotechniker Georg findet in einem Pariser Hotel zufällig die Leiche des exilierten Schriftstellers Weidel, der sich das Leben genommen hat. Er nimmt ein Buchmanuskript, einen Brief Weidels an seine Frau und Ausreisepapiere der mexikanischen Botschaft mit. Damit flieht er vor den anrückenden deutschen Faschisten nach Marseille, wo er sich im Konsulat als Weidel ausgibt. Zudem teilt Georg der taubstummen Frau seines Freundes Heinz mit, dass dieser auf der Flucht gestorben ist, und freundet sich mit ihrem kleinen Sohn an. Während Georg auf die letzten Stempel für die Ausreise wartet, begegnet er mehrfach der attraktiven Marie, die sich als Weidels Frau herausstellt. Sie ist nun mit einem deutschen Kinderarzt liiert und will mit diesen nach Mexiko ausreisen. Während Marie nach ihrem Mann sucht, verliebt sich Georg in Marie, wagt aber nicht, ihr zu gestehen, dass er die Identität ihres Mannes angenommen hat.
Umsetzung
Für seinen achten Kinofilm hat der Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold den 1941/42 in Marseille geschriebenen, autobiographisch geprägten Roman "Transit" der exilierten Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983) eigenwillig adaptiert: Er verlegt den Erzählstoff ins Heute, wobei die Zeitebenen elegant verschränkt werden. Einerseits legen Flüchtlinge in den Konsulaten Pässe des Deutschen Reiches vor und man hört im Dialog von vorrückenden Faschisten. Andererseits fahren die Polizisten moderne Autos, während Videokameras die Flüchtlinge erfassen. Zusammen mit zeitlosen Kostümen der Figuren entsteht so ein entrücktes Zwischenreich. Im Gegenzug rekonstruiert Petzold jedoch die Historizität des Erzählten, indem ein Off-Erzähler das Geschehen mit Seghers-Sätzen kommentiert. Matthias Brandt spricht diesen Erzähler, der sich als Besitzer eines Restaurants entpuppt, in dem Georg oft zu Gast ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Das Filmmelodram illustriert anhand mehrerer Exilanten die Verfolgung von Juden und Regimegegnern durch das NS-Regime. Im Unterricht kann analysiert werden, wie Einzelschicksale an politische Entwicklungen gekoppelt sind. Wenn die nordafrikanische Frau von Heinz mit ihrem Sohn untertauchen muss, schlägt der Film den Bogen auch zu heutigen Flüchtlingsbewegungen nach Europa. Die langwierigen bürokratischen Mechanismen der Visa-Vergabe im Film legen den Vergleich zu heutigen restriktiven Regelwerken der Asylpolitik westlicher Länder nahe. Im Deutschunterricht bietet sich ein Vergleich zwischen Buch und Film an: Warum hat der Film den Ich-Erzähler des Romans in einen Erzähler der dritten Peron verwandelt? Zudem können Arbeitsgruppen Ähnlichkeiten und Unterschiede der Darstellung von Fluchterfahrungen in dem Filmklassiker "Casablanca" (1942) erarbeiten.
Hinweise
In Kürze erscheint Unterrichtsmaterial zum Film, dass Sie dann auf dieser Seite zum Download finden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
27.02.2019
,
letzte Aktualisierung:
09.02.2024
Regie
Christian Petzold
Buch
Christian Petzold nach dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers
Darsteller*innen
Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt u. a.
Länge
101 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung; barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Piffl Medien
Festivals
Im Wettbewerb der Berlinale 2018