Inhalt
Irak, 1990er-Jahre. Die neunjährige Lamia lebt mit ihrer Großmutter im Marschland im Süden des Iraks, während das Land unter Sanktionen, Mangel und politischem in einer Diktatur Druck leidet. Zum Geburtstag von Präsident Saddam Hussein wird in ihrer Schule per Auslosung bestimmt, welches Kind den Festkuchen für die örtlichen Feierlichkeiten backen muss. Das Los trifft Lamia – und mit ihm eine Aufgabe, die in Zeiten von Lebensmittelknappheit kaum zu bewältigen ist. Eier, Mehl und Zucker sind seltene Güter, doch bei Scheitern drohen ihrer Familie Konsequenzen. Mit nur zwei Tagen Zeit macht sich Lamia gemeinsam mit ihrem Mitschüler Saeed und ihrem Hahn Hindi auf den Weg in die nächste Stadt. Ihre Suche nach Zutaten wird zu einer Reise durch ein Land zwischen Entbehrung und Hoffnung, geprägt von Angst, Begegnungen und Momenten unerwarteter Menschlichkeit.
Umsetzung
Der Film beginnt in ruhigem Ton, unter dessen Oberfläche sich jedoch zunehmend eine latente Bedrohung entfaltet, und folgt konsequent der Perspektive des Kindes. Die Kamera bleibt meist nah bei Lamia und begleitet sie in langen, beobachtenden Einstellungen durch ihre Umgebung – sie zeigt dabei nicht nur ihre Wege, sondern auch, wie sie mit Situationen umgeht und Gefahren wahrnimmt, ohne in Panik zu verfallen. So entsteht eine große emotionale Nähe, ohne dass der Film erklärend oder kommentierend eingreift. Die Inszenierung wirkt stellenweise dokumentarisch: Viele Szenen sind mit natürlichem Licht gedreht, Räume erscheinen eng und ungeschönt. Diese reduzierte Ästhetik verstärkt den Eindruck von Authentizität und Alltagsnähe. Gleichzeitig erlaubt sich der Film – ganz im Sinne einer irakischen Erzähltradition – auch in heiklen Momenten leise humorvolle Nuancen. Bewusst setzt der Film zudem visuelle Kontraste ein: Die weiten, offenen Bilder der Sümpfe stehen den bedrückenden Innenräumen und der Enge der Stadt gegenüber. Wiederkehrende Motive wie der Hahn oder der allgegenwärtige Personenkult strukturieren die Erzählung und verleihen ihr zusätzliche symbolische Tiefe. Bis zum Schluss hält der Film eine spürbare Spannung aufrecht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film eröffnet einen emotional zugänglichen Einstieg in Themen wie Diktatur, Personenkult, Sanktionen, Alltagsleben unter autoritären Regimen und die Auswirkungen politischer Systeme auf Kinder. Schüler*innen können anhand der Geschichte nachvollziehen, wie staatlicher Druck bis in private Lebensbereiche hineinwirkt. Darüber hinaus bietet der Film vielfältige Ansatzpunkte zur Analyse als filmisches Werk: So kann untersucht werden, wie durch Bildgestaltung, Kameraführung und den Verzicht auf erklärende Dialoge eine besondere Nähe zur Hauptfigur entsteht. Auch die Symbolik wiederkehrender Motive – etwa des Hahns oder der leeren Vorratsräume – eignet sich zur vertieften Auseinandersetzung mit Filmsprache und Erzählweise.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Meis Al Khafafi
,
21.01.2026
,
letzte Aktualisierung:
04.02.2026
Regie
Hasan Hadi
Buch
Hasan Hadi
Darsteller*innen
Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat u. a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, arabische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Vuelta Germany
Festivals
(Auswahl 2025) Internationale Filmfestspiele Cannes: Caméra d’Or, Publikumspreis der Reihe Quinzaine des Cinéastes; Internationales Filmfestival Stockholm: Bester Debütfilm