Inhalt
Auf dem Weg zum Markt versperrt plötzlich ein Schlagbaum den Weg des Pferdehändlers Michael Kohlhaas und seiner Knechte. Der Baron fordert ein Pfand und Kohlhaas überlässt ihm notgedrungen zwei Rappen. Als er die Pferde von der Arbeit in Wald und Feld geschunden, einen seiner Knechte von den Hunden des Aufsehers misshandelt vorfindet, fordert er Wiedergutmachung, den Rechtsweg verweigert man ihm jedoch. Als seine Frau von ihrem Bittgesuch bei Hofe schwer misshandelt zurückkehrt und in seinen Armen stirbt, nimmt Kohlhaas das ihm nicht gewehrte Recht in die eigenen Hände, sucht Gerechtigkeit, indem er das Anwesen des Barons überfällt und ein Blutbad anrichtet. Schnell schart sich eine Heerschar von Bauern um ihn, die ihn bei seinem Rachefeldzug gegen die Obrigkeit unterstützen. Auf Vermittlung der Prinzessin und um die Kampfhandlungen zu beenden willigt Kohlhaas ein, sich einem Tribunal zu unterziehen. Zwar erhält er seine Pferde zurück und eine Entschädigung, muss aber auch für seine inzwischen begangenen Taten büßen.
Umsetzung
Der Film verlegt die Handlung aus dem Brandenburgischen in die französischen Cevennen. Dichte Laubwälder und schroffe Höhen sind dabei nicht nur Handlungsorte, sondern spiegeln auch das Innenleben der Figuren wider. Konsequent wird dabei auf eine raue Authentizität gesetzt, etwa wenn bei Nachtszenen lediglich eine Kerze die Gesichter schemenhaft beleuchtet, der Rest des Bildes in Dunkelheit versinkt, oder wenn die Geburt eines Fohlens in Echtzeit gezeigt wird. Da nicht viel erklärt wird, vieles an Gestik und Mimik der Hauptfigur abzulesen ist und es immer wieder zu unkommentierten Zeitsprüngen kommt, ist eine gewisse Seherfahrung notwendig, um dem Film folgen und die Handlung decodieren zu können. Dieser nahezu dokumentarischem Gestus paart sich mit einem großen Stilwillen Bild und Ton betreffend und dem Einsatz moderner filmischer Mittel, so dass sich eine eigenwillige Spannung zwischen Form und Sujet ergibt. Die Handlung des Films hält sich dabei eng an die zu Grunde liegende Novelle von Heinrich von Kleist (1810).
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Wird diese Novelle im Deutschunterricht behandelt, bietet es sich natürlich an, auch mit dem Film zu arbeiten, ist er doch als werkgetreu zu bezeichnen. Eine Beschäftigung mit dem Aspekt der Adaption und dem Einsatz filmischer Mittel ist dabei anzuraten. Da sich die Handlung um grundlegende und moderne Themen wie Gerechtigkeit, Willkür der Mächtigen, Rechtsstaatlichkeit und (individuelle) Freiheit dreht, kann der Film gut in Religion/Ethik/Gesellschaftskunde eingesetzt werden. Vorlage für Kleists Figur war der historische Hans Kohlhaas (etwa 1500 bis 1540), ein Zeitgenosse Martin Luthers, der sich u.a. mit dem Kurfürsten von Sachsen befehdete, so dass der Geschichtsunterricht den Film ebenso gewinnbringend einsetzen kann.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Daniel Stümpfig
,
18.05.2020
,
letzte Aktualisierung:
18.05.2020
Regie
Arnaud des Pallières
Buch
Mads Mikkelsen, Bruno Ganz, Denis Lavant, Mélusine Mayance, David Kroos
Darsteller*innen
Mads Mikkelsen, Bruno Ganz, Denis Lavant, Mélusine Mayance, David Kroos
Länge
116 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll"
Verleih
polyband
Festivals
63. Filmfestspiele von Cannes (Wettbewerb)